Biographisches Lexikon der Oberlausitz

Eine historische Landschaft lebt von den Persönlichkeiten, die in ihr geboren wurden, in ihr wirkten und starben. Personengeschichtliche Nachschlagewerke gehören deshalb zur Standardliteratur über Länder, Territorien, Regionen und bedeutende Städte. "Lebensbilder"-Sammelwerke und biographische Lexika standen - und stehen bis heute - auf dem Forschungs- und Veröffentlichungsprogramm von Historischen Vereinen und Wissenschaftlichen Kommissionen, seit diese im 19. Jahrhundert ihre Arbeit aufnahmen. So gibt es das Schleswig-holsteinische biographische Lexikon (1970 ff.), die Allgemeine Hannoversche Biographie (1912), die Nassauische Biographie (1992), die Frankfurter Biographie (1994/96), daneben "Lebensbilder" u.a. für Pommern, Mitteldeutschland, Niedersachsen, das Rheinland, Westfalen, Kurhessen und Waldeck, Nassau, Franken und Baden-Württemberg.

Ein biographisches Lexikon spiegelt die große Vielfalt der menschlichen Leistungen und Schicksale, die durch die Jahrhunderte Spuren in einer Landschaft hinterlassen und sie geprägt haben wider. Solche Nachschlagewerke gehören nicht nur zum Rüstzeug für die wissenschaftliche Forschung und zur Grundausstattung öffentlicher Bibliotheken, sondern sie sind auch wertvolles Hilfsmittel und spannende Lektüre für geschichtsbewusste Gemeindevertreter ebenso wie für jeden Bürger, der sich für Vergangenheit und Traditionen seiner Heimat interessiert.

Das Projekt "Biographisches Lexikon der Oberlausitz" soll eine schwerwiegende Lücke in der für die Region verfügbaren Fachliteratur schließen. Die Oberlausitz ist eine Landschaft mit großer historischer Tradition, die in allen Lebensbereichen bedeutende Personen hervorgebracht hat. Die bisher - oft an versteckter Stelle - erschienene biographische Einzelliteratur ist kaum zu überschauen und ohne einen gebündelten Nachweis nur schwer zugänglich. Eine wichtige Aufgabe wäre es zudem, neben den seit jeher als "Berühmtheiten" geltenden Personen auch die eher "Stillen im Lande" aufzunehmen, also z.B. führende Leute der Praxis und des tätigen Lebens, deren Biographien zwar naturgemäß einen geringeren schriftlichen Niederschlag gefunden haben als im Bereich des öffentlichen und akademischen Lebens, die aber nicht weniger zur Gestaltung ihrer Epoche beigetragen haben.

Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften setzt sich aus Mitgliedern der verschiedensten Wissensgebiete zusammen. Damit sind die Gesellschaft und ihre Mitglieder dazu prädestiniert, mit Fachkenntnis und Sachverstand ein solch umfassendes Werk herauszugeben.

Enge Verbindungen gibt es zum Projekt des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde die dort seit einiger Zeit an einer sächsischen Biographie arbeiten. Mit der dortigen Projektleiterin Frau PD. Dr. Martina Schattkowsky ist inzwischen ein Datenaustausch vereinbart worden und die Unterstützung von Mitarbeitern bei der Recherche in der Oberlausitz erfolgt. Ein Kooperationsvertrag zwischen dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde und der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften ist in Vorbereitung.

Die Personen werden nach folgenden Kriterien in das Lexikon aufgenommen:

  • Personen, die in der Oberlausitz geboren bzw. gestorben sind oder hier ansässig wurden und die hier - oder im Laufe ihres Lebens auch außerhalb ihrer Herkunftsregion - Bedeutendes geleistet haben. 
  • "Bedeutende Leistung" erstreckt sich auf alle Lebensbereiche: Wissenschaft und Kunst, Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Technik, Handel und Verkehr, Schule und Kultur, Kirche und soziales Leben. Auch Opfer von Gewaltherrschaft, derer man heute gedenkt, werden aufgenommen. 
  • "Negativ" zu wertende Personen werden aufgenommen, soweit sie für die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit stehen. 
  • In besonderen Fällen können in verkürzter Form auch Personen aufgenommen werden, die, obwohl niemals hier ansässig, doch in der Oberlausitz wichtige Spuren hinterlassen haben, wie etwa ein auswärtiger Baumeister des Mittelalters oder ein preußischer Architekt des 19. Jahrhunderts, ggf. auch ein berühmter Literat, wenn er nur eine Romanhandlung hierher verlegt hat. 
  • Unberücksichtigt bleiben i.d.R. Personen, die nur oberflächlich mit der Oberlausitz in Berührung kamen, etwa durch eine "zufällige" Geburt oder einen ebensolchen Tod auf Reisen oder bei einem Unglücksfall, auch wenn die Bestattung hier erfolgt sein mag (Ausnahme bei nationalen Berühmtheiten).
  • Noch lebende Personen werden nicht aufgenommen.
  • Regional ist das Gebiet durch die Grenzen der Oberlausitz umschrieben.

Das Projekt wurde und wird gefördert durch die Oberrheinische Stiftung für Geschichte und Kultur (Trautmann-Schröder-Stiftung) und durch die Konrad-Krieger-Stiftung.

Hinweise, Fragen, Anregungen, ...?

Für Fragen, Hinweise und die technische Betreuung steht Ihnen Herr Ebermann (E-Mail: ulrich.ebermann(at)olgdw.de) gern zur Verfügung.